aus den 1960er Jahren

Musikalischer Reisebericht Mörlheimer Musikanten aus den 1960er Jahren

Jahre später saßen die alten Musikanten oft zusammen und blätterten durch das vergilbte Fotoalbum. Jedes Bild erzählte eine eigene Geschichte von jenem unvergesslichen Sommer, in dem die Kapelle gefühlt im Dauereinsatz war.

„Erinnert ihr euch noch an den Blumencorso in Landau?“, fragte der erste Trompeter und deutete auf das Bild mit dem Schild. „Da standen wir in im An 44, Heiner stolz wie Oskar mit unserer Startnummer 42 vorneweg. Die Sakkos saßen noch perfekt, aber die Nervosität vor dem großen Stadtpublikum war riesig.“

„Oh ja“, lachte der Posaunist. „Aber richtig heimisch haben wir uns erst wieder gefühlt, als wir zurück im Dorf waren.“ Er tippte auf das nächste Foto. „Hier, das Gruppenbild vor dem Kindergarten in Mörlheim mit unserem damaligen Dirigenten Rudi Bendel. Da hatten wir die erste Anspannung abgelegt, auch wenn das Stehen in der prallen Sonne für das Foto eine ganz eigene Herausforderung war.“

Der Bassist schmunzelte und fuhr mit dem Finger zum nächsten Motiv, das die Männer in weißen Hemden im Gleichschritt zeigte: „Und das war am selben Wochenende bei der großen Festtagsprozession durch Mörlheim. Schaut euch an, wie wir im Gleichschritt die Tuba und die Posaunen durch die Gassen getragen haben. Das ganze Dorf war auf den Beinen.“

„Aber mein Lieblingsbild ist das hier vom Winter Ade“, warf der Tenorhornist ein und zeigte auf die Musiker mit den dicken Mänteln und Hüten. „Das war beim RiRaRo im alten Schulhof! Es war bitterkalt, der Boden war nass vom geschmolzenen Schnee und die Ventile der Trompeten drohten fast einzufrieren. Aber die Mörlheimer haben uns mit heißem Glühwein warmgehalten, da spielte es sich fast von allein.“

„Und zum Schluss“, seufzte der Dirigent glücklich und blickte auf die Abendaufnahmen unter den bunten Lichterketten, „ging es wie immer am Abend auf die Festwiese. Als die Marschordnung vergessen war, wir uns einfach auf die alten Holzstühle setzen durften und bei einem kühlen Bier die Polka spielten, bis die Sterne am Himmel standen.“

Fünf Orte, zwei Jahreszeiten, aber immer derselbe Takt – so war das Leben in der Kapelle.

anno dunne mols
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